Du hast die Schule schon hinter dir und stellst plötzlich fest: „Mit meinem Schulabschluss komme ich da nicht hin, wo ich eigentlich hinwill.“? Damit bist du absolut nicht allein. Gerade wenn man jünger ist, scheint die Berufswahl noch weit weg – und erst später kristallisiert sich heraus, was man wirklich machen möchte. Die gute Nachricht: In Deutschland kannst du jeden Schulabschluss nachholen, vom Hauptschulabschluss bis zum Abitur. Wir zeigen dir, wie das geht – und nehmen einen aktuellen Fall aus unserem Umfeld als Beispiel: jemand, der zum Zoll möchte, aber „nur“ einen Hauptschulabschluss hat.
Warum überhaupt einen höheren Schulabschluss?
Viele Berufe und Karrierewege setzen einen bestimmten Schulabschluss voraus. Das ist manchmal ärgerlich, hat aber auch seinen Sinn: Bestimmte Tätigkeiten erfordern bestimmte Vorkenntnisse, und der Schulabschluss ist nun mal der einfachste Nachweis dafür.
Typische Situationen, in denen ein höherer Abschluss nötig wird:
- Du möchtest eine Ausbildung machen, für die ein Realschulabschluss oder die Fachhochschulreife verlangt wird.
- Du strebst eine Beamtenlaufbahn an (z.B. Polizei, Zoll, Bundeswehr im gehobenen Dienst).
- Du willst studieren – dafür brauchst du in der Regel die Fachhochschulreife oder das Abitur.
- Du merkst nach ein paar Jahren im Beruf, dass du dich verändern oder weiterentwickeln möchtest.

Ein konkretes Beispiel: Der Weg zum Zoll
Aktuell begleiten wir einen jungen Mann, der nach seinem Hauptschulabschluss in einem ganz anderen Bereich gestartet ist. Mit der Zeit ist ihm klar geworden: Er möchte zum Zoll. Ein vielseitiger Beruf, sicherer Arbeitsplatz, Beamtenstatus, gute Bezahlung – aber eben auch klare Voraussetzungen.
Was verlangt der Zoll?
Der Zoll bietet drei Einstiegswege, abhängig vom Schulabschluss:
- Mittlerer Dienst (Ausbildung, 2 Jahre): Realschulabschluss oder Hauptschulabschluss + zweijährige anerkannte Berufsausbildung.
- Gehobener Dienst (Duales Studium, 3 Jahre): Allgemeine Hochschulreife oder Fachhochschulreife.
- Verwaltungsinformatik (Duales Studium): Allgemeine Hochschulreife oder Fachhochschulreife, plus Interesse an IT.
Mit reinem Hauptschulabschluss ohne Berufsausbildung kommt man also nicht direkt rein. Aber: Die Tür ist nicht zu – sie öffnet sich nur über einen kleinen Umweg. Und genau darum geht es in diesem Beitrag.
Was verdient man beim Zoll?
Damit du eine Vorstellung bekommst, warum sich der Aufwand lohnen kann: Während der Ausbildung im mittleren Dienst gibt es ca. 1.473 Euro brutto Anwärtergrundgehalt, im gehobenen Dienst während des dualen Studiums ca. 1.744 Euro brutto. Nach erfolgreicher Ausbildung steigt das Einstiegsgehalt deutlich an, und als Beamter bleibt netto vergleichsweise viel übrig, weil keine Sozialabgaben anfallen.
Welche Wege gibt es, einen Schulabschluss nachzuholen?
Es gibt nicht den einen richtigen Weg – sondern mehrere, und welcher zu dir passt, hängt von deiner aktuellen Situation ab: Bist du noch in der Schule? Berufstätig? Hast du bereits eine Ausbildung? Wir gehen die wichtigsten Möglichkeiten durch.
Weg 1: Realschulabschluss nachholen
Wenn dir „nur“ der Realschulabschluss (auch Mittlere Reife oder Mittlerer Schulabschluss genannt) fehlt, hast du gleich mehrere Optionen:
- Berufsschule / Berufskolleg: Wer eine Ausbildung macht, kann den Realschulabschluss in vielen Fällen automatisch oder mit kleinen Zusatzleistungen miterwerben.
- Volkshochschule (VHS): Abendkurse über meist 1–2 Jahre, ideal neben dem Beruf.
- Abendrealschule: Zwei bis drei Abende pro Woche, Dauer ca. 2 Jahre.
- Nichtschüler-/Externenprüfung: Du lernst selbständig (oder mit Unterstützung) und legst nur die Prüfung ab.
Tipp: Für unseren Zoll-Anwärter wäre der Realschulabschluss bereits ausreichend, um sich für den mittleren Dienst zu bewerben – die zweijährige Berufsausbildung würde er sich damit sparen können.
Weg 2: Fachhochschulreife / Fachabitur
Mit der Fachhochschulreife (oft auch „Fachabi“ genannt) kannst du an einer Fachhochschule studieren – oder eben auch ein duales Studium beim Zoll im gehobenen Dienst beginnen.
- Fachoberschule (FOS): Klassischer Weg, oft 1–2 Jahre, mit fachlicher Ausrichtung (Wirtschaft, Technik, Soziales etc.).
- Berufsoberschule (BOS): Speziell für Menschen mit abgeschlossener Berufsausbildung.
- Berufskolleg / Fachgymnasium: Je nach Bundesland unterschiedlich benannt.
- Abendgymnasium (mit Zwischenabschluss): Auf dem Weg zum Abi kann die Fachhochschulreife als Zwischenstation erworben werden.
Wichtig zu wissen: Es gibt einen Unterschied zwischen schulischer und vollständiger Fachhochschulreife. Für die vollständige FH-Reife (und damit ein Studium) braucht man zusätzlich zum schulischen Teil oft noch ein Praktikum oder eine Berufsausbildung.
Weg 3: Allgemeines Abitur
Das Abitur (allgemeine Hochschulreife) ist der höchste deutsche Schulabschluss. Damit stehen dir wirklich alle Türen offen – auch das duale Studium beim Zoll.
- Abendgymnasium: Für Berufstätige, ca. 3–3,5 Jahre, abends nach der Arbeit.
- Kolleg: Vollzeitschule für Erwachsene, ca. 3 Jahre, oft sogar mit BAföG-Förderung.
- Externenprüfung („Nichtschüler-Abitur“): Selbstständige Vorbereitung, dann Prüfung. Anspruchsvoll, aber flexibel.
- Online-Schulen / Fernschulen: Flexibel, oft kostenpflichtig, aber gut vereinbar mit Beruf und Familie.
Weg 4: Volkshochschule und Abendschule – die unterschätzten Klassiker
Die Volkshochschule (VHS) ist in vielen Städten eine echte Anlaufstelle für alle, die ihren Schulabschluss berufsbegleitend nachholen wollen. Die Kurse sind oft günstig (manchmal sogar gefördert oder kostenlos), die Lehrkräfte erfahren im Umgang mit Erwachsenen, und die Lernatmosphäre ist meist deutlich entspannter als in einer „normalen“ Schule.
Abendschulen (Abendrealschule, Abendgymnasium) sind eine weitere Option, wenn du tagsüber arbeitest. Der Unterricht findet in der Regel an mehreren Abenden pro Woche statt – das verlangt Disziplin, ist aber sehr gut machbar, wenn man motiviert ist.

Wie entscheide ich mich für den richtigen Weg?
Die Wahl des richtigen Weges hängt von vier Faktoren ab:
- Dein Ziel: Welcher Abschluss reicht für deinen Wunschberuf wirklich? (Manchmal reicht der Realschulabschluss, manchmal braucht es das Abi.)
- Deine Zeit: Vollzeit oder berufsbegleitend? Vollzeit geht schneller, kostet aber das Einkommen.
- Deine Finanzen: Manche Wege sind kostenlos, andere kosten Geld – aber es gibt Förderungen wie BAföG, Aufstiegs-BAföG oder das Bildungsgutschein-Modell.
- Dein Lerntyp: Selbständig zu Hause lernen ist nicht jedermanns Sache. Klassenverband oder Online-Kurs können besser passen.
Konkret: So könnte unser Zoll-Anwärter vorgehen
Zurück zu unserem aktuellen Fall. Der junge Mann hat einen Hauptschulabschluss und keine abgeschlossene Berufsausbildung. Damit hat er prinzipiell zwei Möglichkeiten, um zum Zoll zu kommen:
- Variante A: Eine zweijährige anerkannte Berufsausbildung machen – dann erfüllt er auch mit Hauptschulabschluss die Voraussetzungen für den mittleren Dienst.
- Variante B: Den Realschulabschluss nachholen (z.B. an der Abendrealschule oder VHS, ca. 2 Jahre) – damit kann er sich direkt für den mittleren Dienst bewerben.
- Variante C (ambitioniert): Die Fachhochschulreife oder das Abitur nachholen – damit kann er das duale Studium beim Zoll im gehobenen Dienst machen, mit besseren Karrierechancen und höherem Einstiegsgehalt.
Welcher Weg der richtige ist, hängt letztlich davon ab, wie viel Zeit und Energie er investieren möchte – und wie hoch er hinaus will. Die Beamtenlaufbahn im gehobenen Dienst öffnet langfristig deutlich mehr Türen als der mittlere Dienst, der Aufwand für das Abitur ist aber auch entsprechend größer.
Wichtige Bewerbungsfristen beim Zoll
Falls du dich konkret für den Zoll interessierst: Die Bewerbungsfristen sind streng. Aktuell (Stand 2026) gelten folgende Termine:
- Mittlerer Dienst: Bewerbungsfrist bis 15. Oktober 2026 (Einstellung 1. September 2027).
- Gehobener Dienst (Duales Studium): Bewerbungszeitraum 16. April – 15. Oktober 2026 (Einstellung 1. September 2027).
- Verwaltungsinformatik: Bewerbungszeitraum 16. April – 15. Oktober 2026 (Einstellung 1. September 2027).
Aktuelle Infos und das Bewerbungsportal findest du auf der offiziellen Seite des Zolls unter zoll-karriere.de.
Fazit: Es ist nie zu spät
Der wichtigste Gedanke zum Schluss: Es ist nie zu spät, deinen Schulabschluss zu verbessern. Ob du 18 bist oder 38 – die Wege stehen offen. Es kostet Zeit, Disziplin und manchmal auch ein bisschen Mut, sich nochmal auf die Schulbank zu setzen. Aber wenn du ein klares Ziel vor Augen hast – wie unser angehender Zöllner – wird daraus aus „nochmal Schule“ eine Investition in dein zukünftiges Leben.
Unser Tipp: Geh zur Berufsberatung der Bundesagentur für Arbeit (kostenlos!) oder direkt zur VHS in deiner Stadt und lass dich beraten. Oft tun sich Möglichkeiten auf, an die man von alleine gar nicht gedacht hätte – Förderungen, Stipendien, Teilzeitmodelle. Und vergiss nicht: Jeder Schritt, den du gehst, bringt dich näher an dein Ziel.
Viel Erfolg auf deinem Weg – egal, welchen du wählst!




